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Manipulating Light in Premodern Times. Architectural, Artistic, and Philosophical Aspects

People

 

Mondini D.

(Responsible)

Abstract

Die vorliegende Aufsatzsammlung ist der erste Teil der auf zwei Bände angelegten Veröffentlichung der über die Einzelstudien der Projektbeteiligten hinausgehenden Resultate aus dem Forschungsprojekt «Von Ravenna bis Vals. Licht und Dunkelheit in der Architektur vom Mittelalter bis in die Gegenwart» (PP00P1_128606). Um vier nachträglich gewonnene Essays erweitert, geht der Band aus dem im November 2011 an der Accademia di architettura Mendriso durchgeführten SNSF-International Exploratory Workshop «Manipulating Light in Premodern Times», hervor (IZ32Z0_139499). Es handelte sich um eine der ersten internationalen Tagungen, die sich interdisziplinär dem in jüngster Zeit Relevanz gewinnenden Thema der Phänomenologie des Lichtes in der mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Architektur widmete. Die Originalität der Workshopbeiträge der angehenden und etablierten aus In- und Ausland stammenden Forschenden ist der Ansporn für die vorliegende Publikation.Untersucht wird die „Ökonomie des Lichts“, die Strategien eines differenzierten Umgangs mit natürlichem und künstlichem Licht im Sakralbau. Analysiert werden Dispositive und Kulturtechniken für dessen Steuerung sowie die Effekte des dynamischen Mediums Licht auf die im Kirchenraum zum Einsatz kommenden Medien wie Mosaik, Glas- oder Wandmalereien, und der Beitrag dieser Effekte zur Produktion von „Sakralität“. Zum Verständnis der mit dem Binom Licht und Dunkelheit verbundenen Bedeutungen werden ferner auch historische Diskurse aus den Feldern der Theologie, Philologie und Ästhetik einbezogen.Der Band gliedert sich in vier Sektionen, die der Fragestellung eine chronologische und eine systematische Struktur unterlegen. In den ersten beiden steht die Lichtregie im christlichen Sakralbau von der Spätantike bis zum Barock im Zentrum. Sektion I versammelt drei Fallstudien mit experimentellem Charakter. Vladimir Ivanovici untersucht den Einsatz, die potentielle Wirkung und die Semantiken der künstlichen Beleuchtung in der im 4. und 5. Jahrhundert nachts stattfindenden Taufliturgie und rekonstruiert eine hypothetische Anordnung der Lampen im Neonianischen Baptisterium in Ravenna. In Nadine Schibilles Beitrag steht die Wirkung des in die Hagia Sophia einfallenden natürlichen Lichts im Zentrum hinsichtlich der Orientierung des Bauwerks, sowie in Bezug auf die Beschaffenheit der Fensterverschlüsse und der reflektierenden Oberflächen. Da Lioba Theis keine schriftliche Fassung einreichte, wurde zur Stärkung der Byzanz-Sektion ein Beitrag der Architektin Iuliana Gavril erbeten: wiederum anhand der Hagia Sophia wird der Zusammenhang zwischen räumlicher Wahrnehmung und der Perzeption von Helligkeit und Dunkelheit ausgelotet. Gavril und Schibille schlossen ihr PhD unter der Leitung von Liz James (University of Sussex) ab, deren wegweisende Studien zur Phänomenologie von Licht und Farbe bei byzantinischen Mosaiken (Oxford 1996) auch für das vorliegende Buch – bis hin zur Wahl des Konzepts der “Lichtmanipulation” – wichtige Impulse gegeben haben. In der zweiten, der abendländischen Architektur gewidmeten Sektion lenkt Daniela Mondini den Blick auf das Phänomen der “Verdunkelung” durch Reduktion von Fensterflächen im Kirchenbau der Romanik Norditaliens – Massnahmen, so die These, die ästhetisch motiviert sind und auf eine bewusste Emphatisierung des spärlich einfallenden Tageslichts und auf eine Aufwertung des kostbaren, von Wachskerzen erzeugten liturgischen Lichts schliessen lassen. Ein weiterer Aspekt, der sich teilweise auch aus dem Gebrauch von «angezündetem» Licht am Ort der aufbewahrten Reliquien erklären lässt, hat Xenia Stolzenburg untersucht anhand spezifischer Öffnungen in den Gewölben von Krypten, die einen wie auch immer gearteten (akustischen? visuellen? olfaktorischen?) Kontakt zur Liturgie im darüber angeordneten Presbyterium ermöglichten. Eine mit Kontrasten von Licht und Dunkel operierende Lichtführung, die bspw. spezifisch zugeschnittene Fensterlaibungen erfordert, untersucht Nicolas Reveyron anhand von Beispielen der Romanik und frühen Gotik in Frankreich. Der Architekt Sergio Bettini weist ausgehend von der durch die Zeitgenossen geführten Debatte um die als zu dunkel empfundene Florentiner Kuppel Brunelleschis, nach, wie im Quattrocento frühchristliche Bauten gerade hinsichtlich der Lichtregie als Modelle in das Blickfeld der Architekten rückten. Anna Bülau untersucht mit ihrem Beitrag die Interdependenz zwischen Theater, Szenographie, Perspektive und Architektur hinsichtlich der Regie des Tageslichts im barocken Sakralbau. Der neu hinzugekommene Aufsatz von Elena Castelli hingegen nimmt die effektvolle Prachtentfaltung barocker Illuminationen in der Quarant’ore- sowie der Bestattungsliturgie in den Fokus.Sektion III ist der Theoretisierung und Problematisierung von Licht und Dunkelheit in Theologie, Kunst und Literatur gewidmet. Sophie Schweinfurth zeigt wie im Ikonoklasmus bei der Verhandlung der “Natur der Ikone” Licht und Glanz (Farbe) zentrale Kategorien waren im Argumentarium sowohl der bilderfreundlichen als auch der bilderfeindlichen Partei. Francesca Galli stellt den wenig bekannten «Tractatus de Luce» von Bartolomeo da Bologna (vor 1280/90) vor, der in der Absicht, Joh. 8.12 “Ego sum lux mundi” zu erläutern, irdische Lichteffekte und übersinnliche Phänome in Analogie setzt und dabei eine Kompilation der zeitgenössischen Seh- und Licht-Theorien vorlegt, deren kunsthistorische Relevanz noch kaum erkannt ist. Mira Mocam illustriert die mittelalterliche Polysemie des Schattenbegriffs, die von “Zeigen/zum Bild machen” bis zu ihrem Gegenteil – dem Verbergen – reicht. Dieses Bedeutungsspektrum findet sich auch im Terminus “adombrare”, der im Italienischen erstmals bei Dante (Pg 31.141) auftritt. Neben kunstbezogenen Bedeutungen (Zeichnen oder Einfärben bei Cennino Cennini) kann “adombrare” auch theologische Konnotationen einnehmen. Mocams Beitrag zeigt die Produktivität präziser begriffsgeschichtlicher Analysen. Bettina Preiswerks Beitrag über die Entdeckung der Nacht in der spätmittelalterlichen Buchmalerei (15. Jh.) lenkt die Aufmerksamkeit auf die ganz konkreten künstlerischen Herausforderungen, die die Buchmaler differenziert mit vielfältigen maltechnischen Verfahren angingen. Sektion IV beschäftigt sich mit den medienspezifischen Effekten des Lichtes auf reflektierenden, transparenten oder opaken Oberflächen. Barbara Schellewald stellt eine überzeugende Verbindung her zwischen der stets dynamischen Wirkung des Lichts auf Mosaiken und der theologischen Bedeutung des reflektierten Lichtes und der Farben in den byzantinischen Seh- und Bildtheorien. Angela Schiffhauer untersucht die Anwendung von Grisailles im Verglasungsdispositiv hoch- und spätgotischer Kathedralen in Frankreich, deren Farblosigkeit nicht – wie bisher angenommen – auf finanzielle Gründe rückführbar, sondern als gezielte Steuerung des Lichtes an bestimmten 'Orten' des Kathedralraums zu erklären ist. Der von Brigitte Kurmann nachträglich beigesteuerte Aufsatz schliesst daran an und verfolgt den in der französischen Spätgotik zu beobachtenden Trend einer Rückkehr von den im 14. Jh. bevorzugten Kombinationen von Grisaille- und Buntglasfenstern zu, im 15. Jh. wieder dunkleren, mit satten Farben vollständig buntverglasten Kirchenräumen.Die Beiträge von Frank Martin über Funktion und Bedeutung von Farbverglasungen in Italien und des Restaurators Fabio Fernetti zu Giottos Freskotechnik führen zur Frage nach den Lichtbedingungen für die Maler in buntverglasten Kirchenräumen wie S. Francesco in Assisi oder der Scrovegni-Kapelle in Padua bei der Herstellung der Freskenzyklen.Die 18 Essays bieten einen facettenreichen Einstieg in die Geschichte der Innenraumbeleuchtung christlicher Sakralbauten vor deren Elektrifizierung. Sie führen eine Vielfalt von Fragestellungen und methodologischen Annäherungsweisen vor, mit deren Hilfe eine Historisierung des vormodernen Lichtgebrauchs in der Sakralarchitektur näher gefasst werden kann.

Additional information

Start date
01.01.2015
End date
31.01.2015
Duration
2 Months
Funding sources
SNSF, Swiss National Science Foundation
Status
Ended
Category
Swiss National Science Foundation / Publication grants